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Professionell oder Profession...

Bist Du ausgebildet?

Denkst du auch manchmal darüber nach, ob es sich lohnt ständig in die Weiterentwicklung / Weiterbildung zu gehen? Treibt Dich der Gedanke "gut genug sein", in den Wahnsinn? Warum ist das so?

Ich unterscheide da ganz gerne. Für mich steht eine bewusste Entscheidung dahinter. Wenn ich das Ziel verfolge, Menschen in einer bestimmten Situation, in einer bestimmten Lebenslage zu unterstützen, zu begleiten - dann stelle ich mich zu dem Thema professionell auf. Ein paar Beispiele:

  • Ein Ernährungsberater sollte sich mit der Komplexität des Körpers und den Wechselwirkungen einhergehend mit Veränderung auseinander gesetzt haben. Es geht nicht darum, ob der Berater ein "Strich in der Landschaft" ist. Nein es geht um Authentizität und Wissen. Seine eigene Geschichte, seine Biografie zu nutzen, um ein Geschäftsmodell zu etablieren, finde ich wunderbar, aber bitte mit einer soliden Basis!
  • Ein Fitnesstrainer sollte auf Basis der Selbsterfahrung und Ausbildung Kenntnisse in Anatomie und Methodenvielfalt besitzen, Trainingspläne erstellen können. Stellt Euch vor, Ihr bucht einen "Fitnesstrainer", der wenig Ahnung hat und ihr trainiert wochenlang falsch. Was passiert da wohl?
  • Ein systemischer Familientherapeut hat einen prall gefüllten Methodenkoffer und eine dreijährige Ausbildung im Rucksack. Ich erinnere mich noch an das erste Jahr zum systemischen Berater, ich habe nur Bahnhof verstanden, aber gespürt das dieser Weg der richtige für mich ist. Da kann ich aufbauen, mich weiterentwickeln, mich entfalten. Zu jeder Zeit war und bin ich mir JEDEN TAG aufs Neue bewusst, das ich mit Menschen arbeite. Sie haben eine professionelle und ehrliche Arbeit verdient. Ich erkenne, wenn jemand Hilfe benötigt, die nicht in meinen Rahmen passt. Ich habe ein Netzwerk und vertraue auf KollegenInnen, die meine Arbeit ergänzen und erweitern.

Was hat mich denn nun so angefixt diesen Beitrag zu schreiben?

Ich möchte verstehen, Verständnis entwickeln, für alle Menschen, die bereit sind anderen zu helfen, sie zu begleiten. Aber bitte Schritt für Schritt. Gerade über Social Media Kanäle fällt mir auf, wie mutig und unbedarft Werbung gemacht wird, für eine Dienstleistung, die man selbst noch nicht verinnerlicht hat. Ich rede nicht von Zertifikaten (obwohl sie, gerade Coaches, auf die Ebene der Professionellen heben). Vielmehr sollte jeder auf dem Weg in seine Professionalität abwägen was er selbst für den nächsten Schritt braucht und was dieser Schritt für das Gegenüber bedeutet.

Anders ist es im Bereich der Motivation. Wenn ich gelernt habe, mich aus dem tiefsten Selbst zu befreien, dann darf man mutig sein und seine Geschichte erzählen. Die Erwartung andere damit zu "heilen" ist jedoch schlicht verboten. Wie ihr seht, ist der Bereich des Coachings, der Beratung und Therapie so vielfältig, das bestimmt jeder seine Nische findet. Leider auch der Thematik geschuldet, das Begriffe wie Therapie und Supervision nicht geschützt sind.

Ich beende den Artikel mit einer "Verschlimmerungsfrage" :)

Wenn ich dies oder das tue, oder unterlasse, was ist das Schlimmste was passieren kann? Und für wen?

  • Wenn ich Dir erzähle, das Du innerhalb von 10 Tagen 5 Kilo abnimmst, ohne das Wissen aufbringen zu können, das Deine Diabetes beachtet werden muss, dann bringe ich Dich in Gefahr.
  • Wenn ich Dich coache, was bedeutet das? Möchte ich Dir gute Ratschläge und Tipps geben, die in meinem Leben gut funktioniert haben? Wer sagt mir denn, dass diese Ratschläge auch für Dich passen? Viel lieber möchte ich Dich, durch mein Wissen und meine Professionalität zu Deinem eigenen Experten machen.

 

So, lasst mich doch mal wissen, wie Ihr darüber denkt.....

Eure Tanja